Veröffentlichungen

Nepper, Schlecker, Bauernfänger

Wie primitiv doch letztlich das menschliche Gemüt ist. Hat eine Gesellschaft sich erst einmal auf einen Schuldigen geeinigt, gilt es nur noch, auf ihn einzuschlagen. Kein Argument, kein Grundprinzip hält der blinden Wut des Mobs dann noch Stand. Gehört werden nur noch die Diffamierer, Brandstifter und vollmundigen Moralapostel. Continue reading “Nepper, Schlecker, Bauernfänger” »

Jedes Jahr der Jackpot

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Martin Winterkorn erhielt für 2011 Gesamtbezüge von 17,4 Millionen €. Und auch die übrigen Mitglieder des VW-Vorstandes haben mit einer runden Verdoppelung ihrer Bezüge 2011 zwischen 7,2 und 8,1 Millionen € eingestrichen und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt sogar der Bezüge von Vorstandsvorsitzenden der übrigen DAX-Unternehmen. Winterkorns Bezüge sind gar um 63 % angestiegen und lagen doppelt so hoch wie der am zweitbesten bezahlte deutsche Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche von Daimler. Der gesamte VW-Vorstand wurde 2011 mit über 70 Millionen € entlohnt. Continue reading “Jedes Jahr der Jackpot” »

Nach dem Gau kommt endlich Gauck

Wer meine Kolumnen liest, der weiß, dass ich den Rücktritt Wulffs längst für überfällig gehalten habe. Und wer sie schon länger liest, weiß zudem, wie sehr ich es – auch ungeachtet des Urteils über Wulff – bedauert habe, dass Joachim Gauck nicht zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Kurzum: Für mich war es nicht nur eine erleichternde Nachricht, als Wulff am Freitag vor die Kamera trat und in seiner Tragikomödie den letzten Akt spielte. Sondern es war auch am Sonntagabend eine höchst erfreuliche Neuigkeit, als der von der FDP erzwungene, Parteien übergreifende Konsens zur Kandidatur von Gauck bekannt gegeben wurde. Continue reading “Nach dem Gau kommt endlich Gauck” »

Wulffs Keller

In Wulffs Keller liegen offenbar mehr Leichen als die des Kredits. Das macht die Angelegenheit nicht nur brisanter für Wulff, sondern auch komplizierter für unsere Beurteilung. Ich habe bereits in meiner gestrigen Kolumne deutlich gesagt, was ich von dem Weihnachtsmärchen über die Vergabe des Kredits halte. Wulff ist schlecht beraten, wenn er glaubt, entscheidend sei in diesem Moment, ob Herr oder Frau Geerkens die halbe Million von einem letztlich beiden zugänglichen Konto überwiesen habe. Allerdings muss der Kredit nicht zwangsläufig anrüchig sein. Auch das habe ich gestern begründet. (Nochmals nachzulesen über facebook „Der rote Faden“ oder direkt auf meiner Homepage www.strategie-kommunikation.de unter Blog) Continue reading “Wulffs Keller” »

Christian Wulff – Weihnachtsgeschenke ja, Weihnachtsmärchen nein

Man kann als deutscher Staatsbürger nicht wirklich ein Interesse daran haben, den Mann im höchsten Amt zu diskreditieren. Das wäre schädlich, nicht nur für Christian Wulff und seine Gönnerin Andrea Merkel, sondern auch für Land und Demokratie. Das Maß an Politikverdruss ist längst voll. Dennoch ist nachvollziehbar, warum vor allem Politiker aus der Oppositionsfraktion des Bundestags den Bundespräsidenten jetzt sehr kritisch beäugen. Schließlich lässt sich auch auf diesem Umweg Stimmung gegen Merkel und ihre Regierung machen. Wie weit die Opposition bereit ist zu gehen, kann man nur mutmaßen. Continue reading “Christian Wulff – Weihnachtsgeschenke ja, Weihnachtsmärchen nein” »

Das Ende einer Boygroup

Christian Lindner ist als Generalsekretär der FDP zurückgetreten. Man mag von der FDP halten, was man will, der mit 32 Jahren noch sehr junge Politiker ist seiner Beschaffenheit und seinem Charakter nach ein Politiker, den Deutschland braucht. Er ist intellektuell, kommunikativ, nicht dogmatisch, ernst aber nicht verbissen. Zudem hat er vernünftige Überzeugungen und zeigt sich als verantwortungsbewusst. Wie muss man nun seinen Rücktritt interpretieren? Continue reading “Das Ende einer Boygroup” »

Der anonyme Freund und Helfer

Man ist ja geneigt, die kleinen Ungereimtheiten in den täglichen Nachrichten zu übersehen. Hörte ich doch vorgestern im Zusammenhang mit dem Streit um die Verpflichtung der Polizisten, Namensschilder zu tragen, ein Argument, das im ersten Moment zur uneingeschränkten gewohnheitsmäßigen Zustimmung einlädt, nach kurzem Überdenken aber ein großes Fragezeichen hinterlässt. Die Diskussion verläuft bekanntlich zwischen den folgenden zwei Positionen. Continue reading “Der anonyme Freund und Helfer” »

Demokratie – geht doch!

Nachdem kürzlich Mecklenburg-Vorpommern ein eher unrühmliches Zeugnis demokratischer Praxis abgeliefert hatte – nur jeder zweite ging zur Urne, 6% wählten die NPD – hat Berlin nun ein Signal in die andere Richtung gegeben. Bei einem Zuwachs der Wahlbeteiligung von 12,9 Prozentpunkten erfüllten immerhin zwei von drei Wahlberechtigten ihre demokratische Pflicht. Sofern man Berlin in dieser Hinsicht zu Ostdeutschland zählen möchte, kann man das auch als ein hoffnungsvolles Zeichen für den Demokratisierungsprozess der Neuen Bundesländer zählen, der mit Sachsens Wahlbeteilung im Jahre 2006 von nur 44,4% einen historischen Tiefpunkt erreichte. Continue reading “Demokratie – geht doch!” »

Nationalpark Meck-Pomm

Die Zahlen der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern verheißen für einen Demokraten und freien Marktwirtschaftler nichts Gutes. SPD 35,7% ; CDU 23,1% ; LINKE 18,4% ; GRÜNE 8,4% ; NPD 6%. Der Rest, inklusive der FDP, ist an der 5%-Hürde gescheitert. Die Wahlbeteiligung betrug lediglich 51,4%.

Macht man sich die Mühe und rechnet einmal aus, wie hoch der Anteil der Bürger an der dort wahlberechtigten Bevölkerung ist, welcher Abgeordnete aus einer derjenigen Parteien, die fest auf dem Boden unserer freiheitlichen Verfassung stehen, in den Landtag befördert hat, kommt man auf die erschreckende Zahl von 34,5%. Selbst wenn man die Wähler der FDP (2,7%) und der Piratenpartei (1,9%), deren Stimmen ja verpufft sind, noch hinzuzählt, ergibt sich mit 37% kaum mehr. Continue reading “Nationalpark Meck-Pomm” »

Erfolg macht sexy – umgekehrt aber nicht!

Schleswig Holsteins CDU scheint zwar keine Probleme mit dem Nachwuchs ihrer Fans zu haben, dafür aber mit dem Nachwuchs ihrer Führungspersönlichkeiten. Wie sonst kann man erklären, dass sich ein minderjähriges 16 Jahre altes Mädchen in einen erfolgreichen, 38- oder 39-jährigen CDU-Politiker verknallt. Und wie sonst kann man es beurteilen, wenn ein solcher Mann ein Bundesland regieren soll. Auf jeden Fall fällt das Urteil anders aus, als etwa gegenüber einem Rockstar wie Billy Idol, der in seinem Song “sweet sixteen” von dem Verlust einer 16-Jährigen schwärmt. Continue reading “Erfolg macht sexy – umgekehrt aber nicht!” »