Veröffentlichungen

Einkommensverteilung am Ende der Geschichte

Nachdem die sozialistische Ordnung der Sowjetunion, der DDR und des gesamten Ostblocks zusammengebrochen war, sprach der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992 schon vom „Ende der Geschichte“. Bezug nehmend auf die Geschichtsphilosophie Friedrich Hegels, nach der sich die Welt dialektisch entwickle – das heißt von der These über die Antithese zur Synthese – sei die Triebfeder, welche die Geschichte der Menschheit vorantreibe, mit der Erreichung der liberalen Demokratie endgültig ausgeschwungen. Damit habe sich ein System durchgesetzt, das für alle Zukunft standhalte, weil es die Bedürfnisse der Menschen hinreichend abdecke, wozu vor allem die Vermittlung von Anerkennung und Selbstwertgefühlen gehöre. Continue reading “Einkommensverteilung am Ende der Geschichte” »

Von wegen „der Wähler hat entschieden”

Die Generation meiner Eltern verwandelte, wenn sie vom Zweiten Weltkrieg erzählte, noch ganz selbstverständlich eine ganze Nation in eine einzige Person. Es waren nicht „die Franzosen” oder „die Engländer”, geschweige denn „die amerikanischen oder die russischen Soldaten”. Es hieß „der Franzose”, „der Russe”, „der Amerikaner” und „der Engländer”. Diese Terminologie entsprach wohl einer Weltanschauung, nach welcher der Einzelne im Volk verschmolz, wo eine Nation wie ein Mann zusammenstehen sollte. Diese Vorstellung ließ keinen Platz für individuelle Differenzierungen jenseits nationaler Zugehörigkeit. Sprache und Unterbewusstsein determinieren sich häufig gegenseitig und verstellen ganz unterschwellig den Blick auf Sachverhalte. Continue reading “Von wegen „der Wähler hat entschieden”” »